Tage der offenen Ateliers

Einmal im Jahr wird Oberösterreich zur begehbaren Galerie. Am 17. und 18. Oktober öffnen rund 400 Ateliers und Galerien ihre Türen, und man darf dort hinein, wo sonst gearbeitet, gekleckert und verworfen wird. Ohne Eintritt, ohne Eröffnungsreden, ohne Gedränge am Buffet. Man kommt, wann man will, und bleibt, so lange man will.

Die Aktion des Landes gibt es seit mehr als drei Jahrzehnten, und sie ist stetig gewachsen. Viele Künstlerinnen und Künstler machen nicht mehr nur auf, sondern entwickeln eigens Programme für dieses Wochenende, oft gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen. Wer sich nicht allein durchschlagen will, kann sich einem der Kunst-Rundgänge anschließen, die heuer wieder von den Künstlerinnen und Kunstvermittlerinnen Dagmar Höss und Astrid Hofstetter konzipiert wurden. Anmeldung ist dafür nötig. Aber nur für die Rundgänge – diese sind auf 18 Personen begrenzt.

Wer selbst plant: Die Teilnehmerbroschüre listet alle Mitwirkenden, und eine interaktive Karte zeigt, wer wo zu finden ist, mit Sparten, Öffnungszeiten und Kontakt. Damit lässt sich bequem eine eigene Tour durchs Land zusammenstellen.

Rund 400 Ateliers, das sind 400 Möglichkeiten. Stellvertretend, und ganz subjektiv aus der Nachbarschaft ausgewählt: ein Besuch bei Heidi Zenz und deren Bruder Georg in Eggelsberg.

Heidi Zenz: Malen mit dem, was die Erde hergibt

Fotos: Heidi Zenz

Eine Station, die man nicht auslassen sollte, ist das Atelier von Heidi Zenz. Ihre Bilder sehen auf den ersten Blick einfach aus, fast zufällig. Dahinter steckt aber eine präzise Technik und ein Material, das man in keinem Künstlerbedarf kaufen kann: Algen aus einem Teich, Erde aus Zypern, Schlamm aus dem Inn und aus dem Donaudelta, Ockererde aus dem Roussillon. Für eine Arbeit hat sie die Lamellen eines Schopftintlings direkt aufs Papier abgedruckt, der Pilz hat sein eigenes Bild hinterlassen.

In ihrer Serie „Fließformal“ arbeitet die Schwerkraft mit. Der Schlamm läuft, verzweigt sich, bildet Rinnen und Adern, bis er zur Ruhe kommt. Was dabei entsteht, erinnert an Flussdeltas aus der Vogelperspektive, an Baumrinde oder an Landkarten von Gegenden, die es nicht gibt. Das Material bringt seine Herkunft mit, und die Künstlerin gibt ihm den Raum, sie zu zeigen.

Georg Zenz

Fotos: Georg Zenz

Mit dabei ist auch Heidis Bruder Georg Zenz, der ein paar Häuser weiter, in Bergstetten 3, sein Atelier öffnet. Fundstücke, alte Möbel, Geweihe und Bootsteile, zu Installationen geschichtet, die an die Wunderkammern früherer Sammler erinnern, dazu Malerei und großformatige Collagen.

Infos
Tage der offenen Ateliers, Samstag, 17. und Sonntag, 18. Oktober 2026
Teilnehmerbroschüre und Karte: tdoa.at
Kunst-Rundgänge: www.diekunstsammlung.at
Heidi Zenz, Atelier Galerie: Bergstetten 7, 5142 Eggelsberg, Sa + So 14–18 Uhr www.heidi-zenz.at
Georg Zenz, Atelier: Bergstetten 3, 5142 Eggelsberg, Sa 14–18 Uhr, So 10–18 Uhr, www.atelier-zenz.at

Hanna Kirmann

Wer ist Hanna Kirmann? Pardon, „FrauKirmann“ – geht man nach ihrer gleichnamigen Agentur für visuelle Kommunikation.

„Hanna ohne h“. Nahbar. Streitbar. Entspannt. Beschäftigt. Vielschichtig. Angekommen. Ihre Installationen, mit denen sie alltägliche Probleme wie Vergänglichkeit sichtbar macht oder postfeministische Positionen vertritt, sind konzeptionell.

Gesteckte Blumen, echte und aus Plastik, in der Auslage der Galerie der Gilde. Es ist auf den ersten Blick ansprechend. Wer Blumen mag, liebt die Arbeit auf Anhieb. Es gibt nicht viel zu verstehen. Blumen sind schön und verwelken. Trotzdem geht die Arbeit in die Tiefe und spricht mehrere Ebenen auf einmal an. Ein Teil der Blumen verwelkt. Man weiß zwar, was ungefähr passieren wird, aber wie es am Ende aussehen wird, weiß trotzdem niemand so genau. Schon am Vernissagen-Abend fallen die ersten Blütenblätter vom Schmuckkörbchen (Gartenname Cosmea).

Ich zupfe an verwelkten Blütenblättern herum, sie lässt es zu, es macht nichts. Es war außerdem ein langer Tag und Eröffnung der Ausstellung. Sie arbeitet als Kunsterzieherin. Bis 4. November muss die Installation halten, oder richtig verwelken. Gibt es ein falsches Verwelken? Hier geht es mit den Fragen los, die impliziert sind. Wie wird die Arbeit am Ende der Ausstellung aussehen? Hanna Kirmanns Arbeiten sind auf eine gewisse Weise in Bewegung.

Das war so mit den Hühnern, die auch nicht einfach auf der Innbrücke blieben. Im Projekt FREI.LAND präsentierte sie 36 Betonhühner aus dem 3D-Drucker auf der Innbrücke. Was sonst verderblich in Kühltheken liegt, war, monumental und scheinbar unvergänglich, eine Skulpturen-Anordnung auf der Innbrücke im Rahmen des Festivals der Regionen. Sie standen 2025 dem stolzen Bronzegockel gegenüber, der unbeirrt weiter in Bronze glänzte, während die Hühner schon alleine durch Überzahl und serielle Anordnung mehr Gewicht hatten. Sie wurden später versteigert, vom Erlös spendete sie einen Teil dem Frauenhaus. Kirmann ist es gewohnt, groß zu denken, sie ist auch im Vorstand der Innviertler Künstlergilde und kuratiert nebenbei wichtige Ausstellungen, wie die vielbeachtete „Multiple“ im Mai 2024.

Sie bezeichnet Arbeiten wie die Betonhühner selbst als „Intervention“ und macht aus alltäglichem Material wie Ehering-Boxen eine Arbeit, um den heiratswilligen Anton Bruckner anders zu porträtieren. Neun (!) Anträge sind überliefert, vielleicht waren es mehr. Alle abgelehnt. Niemand hat an die Details gedacht: Wie sahen die Ringe aus, deren Verpackung? Hanna Kirmann schon. Kirmann denkt. Konzipiert. Kuratiert. Als Ausstellungsmacherin kennt sie den Kreislauf aus Vorher und Nachher. Hundert Kuchenstücke zum hundertjährigen Jubiläum der Künstlergilde, ein Buffet, das toll aussieht und leider ungenießbar ist, dafür haltbar.

Da ist es wieder, das Thema Vergänglichkeit, und der Versuch, sie aufzuhalten.

In Braunau unübersehbar der Skulpturenweg – jeder, der in der Stadt zu tun hat, fährt zumindest regelmäßig an dem Würfel „All Directions“ von Stefan Esterbauer vorbei. Den Anstoß für das Projekt gab sie gemeinsam mit dem ehemaligen Vorsitzenden der Künstlergilde Walter Holzinger (2022 verstorben), der den Weg nicht mehr erlebte; die von ihm konzipierte Skulptur steht unterhalb der Stadtmauer und wurde nachträglich nach Skizzen von ihm realisiert.

Fotos ohne Credit: JG

Hanna Kirmann, geb. 1976 in Braunau, lebt heute in Altheim und wurde 1998 am Mozarteum in die Abteilung für Kunst- und Werkpädagogik aufgenommen. 2008 trat sie in den Schuldienst ein, seit 2010 ist sie Mitglied des Herbstsalons, seit 2012 Mitglied der Innviertler Künstlergilde, seit 2013 im Vorstand.

Links:
https://www.hannakirmann.at
https://www.innviertler-kuenstlergilde.at/kuenstler/hanna-kirmann/