Wer ist Hanna Kirmann? Pardon, „FrauKirmann“ – geht man nach ihrer gleichnamigen Agentur für visuelle Kommunikation.
„Hanna ohne h“. Nahbar. Streitbar. Entspannt. Beschäftigt. Vielschichtig. Angekommen. Ihre Installationen, mit denen sie alltägliche Probleme wie Vergänglichkeit sichtbar macht oder postfeministische Positionen vertritt, sind konzeptionell.
Gesteckte Blumen, echte und aus Plastik, in der Auslage der Galerie der Gilde. Es ist auf den ersten Blick ansprechend. Wer Blumen mag, liebt die Arbeit auf Anhieb. Es gibt nicht viel zu verstehen. Blumen sind schön und verwelken. Trotzdem geht die Arbeit in die Tiefe und spricht mehrere Ebenen auf einmal an. Ein Teil der Blumen verwelkt. Man weiß zwar, was ungefähr passieren wird, aber wie es am Ende aussehen wird, weiß trotzdem niemand so genau. Schon am Vernissagen-Abend fallen die ersten Blütenblätter vom Schmuckkörbchen (Gartenname Cosmea).
Ich zupfe an verwelkten Blütenblättern herum, sie lässt es zu, es macht nichts. Es war außerdem ein langer Tag und Eröffnung der Ausstellung. Sie arbeitet als Kunsterzieherin. Bis 4. November muss die Installation halten, oder richtig verwelken. Gibt es ein falsches Verwelken? Hier geht es mit den Fragen los, die impliziert sind. Wie wird die Arbeit am Ende der Ausstellung aussehen? Hanna Kirmanns Arbeiten sind auf eine gewisse Weise in Bewegung.
Das war so mit den Hühnern, die auch nicht einfach auf der Innbrücke blieben. Im Projekt FREI.LAND präsentierte sie 36 Betonhühner aus dem 3D-Drucker auf der Innbrücke. Was sonst verderblich in Kühltheken liegt, war, monumental und scheinbar unvergänglich, eine Skulpturen-Anordnung auf der Innbrücke im Rahmen des Festivals der Regionen. Sie standen 2025 dem stolzen Bronzegockel gegenüber, der unbeirrt weiter in Bronze glänzte, während die Hühner schon alleine durch Überzahl und serielle Anordnung mehr Gewicht hatten. Sie wurden später versteigert, vom Erlös spendete sie einen Teil dem Frauenhaus. Kirmann ist es gewohnt, groß zu denken, sie ist auch im Vorstand der Innviertler Künstlergilde und kuratiert nebenbei wichtige Ausstellungen, wie die vielbeachtete „Multiple“ im Mai 2024.
Sie bezeichnet Arbeiten wie die Betonhühner selbst als „Intervention“ und macht aus alltäglichem Material wie Ehering-Boxen eine Arbeit, um den heiratswilligen Anton Bruckner anders zu porträtieren. Neun (!) Anträge sind überliefert, vielleicht waren es mehr. Alle abgelehnt. Niemand hat an die Details gedacht: Wie sahen die Ringe aus, deren Verpackung? Hanna Kirmann schon. Kirmann denkt. Konzipiert. Kuratiert. Als Ausstellungsmacherin kennt sie den Kreislauf aus Vorher und Nachher. Hundert Kuchenstücke zum hundertjährigen Jubiläum der Künstlergilde, ein Buffet, das toll aussieht und leider ungenießbar ist, dafür haltbar.
Da ist es wieder, das Thema Vergänglichkeit, und der Versuch, sie aufzuhalten.
In Braunau unübersehbar der Skulpturenweg – jeder, der in der Stadt zu tun hat, fährt zumindest regelmäßig an dem Würfel „All Directions“ von Stefan Esterbauer vorbei. Den Anstoß für das Projekt gab sie gemeinsam mit dem ehemaligen Vorsitzenden der Künstlergilde Walter Holzinger (2022 verstorben), der den Weg nicht mehr erlebte; die von ihm konzipierte Skulptur steht unterhalb der Stadtmauer und wurde nachträglich nach Skizzen von ihm realisiert.


Didaktische Anordnung aus Frisch- und Kunstblumen, 2026


Foto: Kurt Salhofer





Fotos ohne Credit: JG
Hanna Kirmann, geb. 1976 in Braunau, lebt heute in Altheim und wurde 1998 am Mozarteum in die Abteilung für Kunst- und Werkpädagogik aufgenommen. 2008 trat sie in den Schuldienst ein, seit 2010 ist sie Mitglied des Herbstsalons, seit 2012 Mitglied der Innviertler Künstlergilde, seit 2013 im Vorstand.
Links:
https://www.hannakirmann.at
https://www.innviertler-kuenstlergilde.at/kuenstler/hanna-kirmann/