Josef Baier: Gezählte Tage

Das 20gerhaus in Ried zeigt Skulpturen, Klanginstallationen und Modelle aus mehreren Jahrzehnten. Man darf sie nicht nur anschauen, man soll sie hören.

Wer das 20gerhaus in der Bahnhofstraße betritt, steht zuerst unter einem Wald aus Metallrohren. Sie hängen in unterschiedlicher Länge von einem Raster unter der Decke, und wer mit dem Schlägel dagegenschlägt, merkt schnell: Das ist kein Dekor, das ist ein Instrument. Das Lambdoma ist begehbare Skulptur und Klangkörper zugleich. Es beruht auf den ganzzahligen Schwingungsverhältnissen, die schon Pythagoras beschäftigt haben. Benannt ist es nach dem griechischen Buchstaben Lambda, in dessen Form diese Zahlenverhältnisse traditionell angeordnet werden.

Ein Raum weiter steht die titelgebende Arbeit „Gezählte Tage“: eine geschwungene Wand aus dunklen Stahlstäben, auf die kleine Scheiben aufgefädelt sind, mal einzeln, mal dicht gestapelt. Man sieht darin ein Zählwerk, einen Kalender, eine Partitur. Und auch diese Wand klingt, wenn man sie berührt.

Josef Baier verbindet künstlerisches Gestalten mit naturwissenschaftlichem Denken. Kinetik, Mathematik, Physik und Musik sind bei ihm keine Nachbarfächer, sondern Material. Das zeigen auch die Modelle und Entwürfe, die das 20gerhaus auf einem langen Tisch versammelt: verschlungene Knoten aus lasergeschnittenem Material, Bänder aus Metall, die sich zu Spiralen und Schleifen drehen, ein Bogen, über den Saiten gespannt sind wie bei einer Harfe.

Eröffnet wurde die Ausstellung am Donnerstag von Maria Reitter-Kollmann, Leiterin der Kunstsammlung des Landes Oberösterreich. Anschließend bespielte die Obertonsängerin Anna Maria Hefele das Lambdoma.

Wer die Skulpturen als Instrumente erleben will, hat noch eine Gelegenheit: Am Sonntag, 8. November, improvisieren Ingrid Oberkanins und Karen Schlimp bei der Matinee „Sculpture Poems“ mit Lambdoma, Stimme, Perkussion und Flöten.

Josef Baier – Gezählte Tage. Rückblick · Einblick · Klang
20gerhaus, Bahnhofstraße 20, Ried im Innkreis
bis Samstag, 14. November 2026, 12 Uhr
Öffnungszeiten: Fr. 15–18 Uhr, Sa. 10–12 Uhr
Tag der offenen Ateliers, 17./18. Oktober: Sa. und So. 10–12 und 14–16 Uhr
Matinee „Sculpture Poems“: So., 8. November, 10–11 Uhr

https://www.20gerhaus.at/